Studie zur Digitalisierung der B2B Branche

Knut means Business

Schrauben, Werkzeug, Laborbedarf. Amazon knöpft sich den B2B Markt vor und will unbedingt gewinnen.

Zielgruppe: B2B Unternehmen
Erschienen: März 2017

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94 Seiten-Studie zur Digitalisierung der B2B-Branche: das erwartet Sie in der Knut Studie:

Eine Milliarde US-Dollar Umsatz erwirtschaftete Amazon Business in den USA im Zeitraum Mai 2015 bis Mai 2016. Beweis genug für das Unternehmen aus Seattle, das B2B-Geschäft auch auf Europa auszuweiten. Im Dezember 2016 startete Amazon Business in Deutschland. Nun schaltet sich Amazon ganz offiziell in den Markt ein, dessen Entwicklung in Deutschland in den letzten Jahren dank Unternehmen wie Contorion, Zoro Tools oder Gastro Hero schon einiges an Dynamik gewonnen hat. Für Amazon ist Amazon Business eine „Top Priority“ und ein „Must Win“. Für Hersteller und Händler aus dem B2B also ein sehr guter Zeitpunkt, sich zu überlegen, welchen Einfluss Amazon Business auf ihr Geschäft haben wird. Der Wettbewerb wird rauher, im Digital Business scheint Amazon übermächtig zu sein. Etablierte Marktteilnehmer aus der „alten Welt“ müssen sich neue Strategien erarbeiten, in dieser Entwicklung nicht unterzugehen.

Knut means Business liefert tiefgehende Antworten für alle, die ihr Geschäftsmodell auf die neuen Herausforderungen einstellen wollen. Amazon Business wird das Marktumfeld im B2B verändern – in dieser Studie lesen Sie wie.

Die Autoren der B2B-Studie

Lennart A. Paul

eTribes Connect GmbH

Lennart A. Paul, 28, ist Experte für die Entwicklung und Umsetzung von Digitalstrategien. Von 2008 bis 2015 war er in der Würth-Gruppe u.a. als Vorstandsassistent, Corporate Startup Founder und Projektleiter in den Bereichen Industrie, B2B-Handel und Automotive tätig. Dabei konnte er in verschiedenen Projekten internationale Erfahrung in Deutschland, den USA, Skandinavien und Italien sammeln. 2015 setzte er seine Karriere in der Beratung fort und ist seit 2016 Partner der operativ geprägten Strategieberatung eTribes mit Schwerpunkt B2B. Parallel zu seiner beruflichen Laufbahn absolviert er 2016/2017 das Executive Master Studium „Digital Innovation and Entrepreneurial Leadership“ an der ESCP Berlin. Darüber hinaus beschäftigt er sich als Speaker, Gastautor und Herausgeber des Blogs Warenausgang.com mit Strategien, Trends und aktuellen Entwicklungen im B2B Digital Commerce. Im Fokus stehen dabei Marktplätze, neue digitale Geschäftsmodelle sowie etablierte B2B Händler und Hersteller aller Branchen.

Mareike Stobbe

eTribes Connect GmbH

Mareike Stobbe, 29, verbindet ein internationales Netzwerk in der Digital- branche mit ihrer Erfahrung in den Bereichen E-Commerce, Venture Capital und Digitalstrategien. Als Beraterin unterstützt sie sowohl Startups als auch Händler mit E-Commerce Wissen, Marktanalysen und Strategieentwicklung. Seit 2008 ist Mareike Stobbe im E-Commerce beheimatet. Sie sammelte bei der Otto Gruppe Erfahrungen im Business Development und der Corporate Strategy, leitete anschließend bei Venture Capital Investor e.ventures den Bereich Marketing und Events und baute zuletzt das US-Geschäft für das E-Commerce-Technologieunternehmen Spryker Systems auf. Seit 2011 ist sie außerdem Eventmanager für unterschiedliche Technologiekonferenzen und Executive-Reisen in San Francisco und New York.
Mareike Stobbe lebt seit 2011 in Nordamerika und verfügt über Insights und ein Netzwerk nordamerikanischer Onlinehändler sowie Technologieanbieter.

Karl Bischoff

Spryker Systems GmbH

Karl Bischoff, seit mehreren Jahren im Bereich E-Commerce tätig, ist Pro- duktmanager beim E-Commerce-Framework Anbieter Spryker Systems. Er unterstützt in seiner Rolle sowohl europäische Onlineshop- und Marktplatz Projekte als auch die weitere Produktentwicklung der Software selbst. Als Gesprächspartner in der Erarbeitung von Anforderungen und der Definition von Projektumfängen setzt er sich u.a. mit den Anforderungen im B2B auseinander.
Im vergangen Jahr hat Karl die Erstellung des E-Commerce Buches unterstützt. Das Buch hinterfragt die E-Commerce Industrie in verschiedenen Märkten und analysiert dessen Entwicklung von den Anfängen in den 90ern bis zum heutigen Zeitpunkt.

Lesen Sie hier das erste Kapitel

Amazon Business in Europa

Eine Milliarde US-Dollar Umsatz erwirtschaftete Amazon Business in den USA im Zeitram Mai 2015 bis Mai 2016. Beweis genug für das Unternehmen aus Seattle, das B2B-Geschäft auch auf Europa auszuweiten. Im Dezember 2016 startete Amazon Business in Deutschland. Nun schaltet sich Amazon ganz offiziell in den Markt ein, dessen Entwicklung in Deutschland in den letzten Jahren dank Unternehmen wie Contorion, Zoro Tools oder Gastro Hero schon einiges an Dynamik gewonnen hat. Für Amazon ist Amazon Business eine „Top Priority“ und ein „Must Win“. Für Hersteller und Händler aus dem B2B also ein sehr guter Zeitpunkt, sich zu überlegen, welchen Einfluss Amazon Business auf ihr Geschäft haben wird. Der Wettbewerb wird rauher, im Digital Business scheint Amazon übermächtig zu sein. Etablierte Marktteilnehmer aus der „alten Welt“ müssen sich neue Strategien erarbeiten, in dieser Entwicklung nicht unterzugehen.
Knut means Business liefert tiefgehende Antworten für alle, die ihr Geschäftsmodell auf die neuen Herausforderungen einstellen wollen. Amazon Business wird das Marktumfeld im B2B verändern – in dieser Studie lesen Sie wie.

Amazons Angriff auf die Wertschöpfungskette

Wenn Sie schon einmal eine Studie von uns zum durch den E-Commerce ausgelösten Wandel im Handel in den Händen hielten, dann kennen Sie bereits die Geschichte von Knut. Er war einer der stärksten Könige des frühen Mittelalters und herrschte zeitweise über England, Dänemark, Norwegen und Schweden. Knut soll einmal an einem Strand seinen Thron in den Sand gesetzt und bei anschwellender Flut das Wasser gebeten haben, es möge vor seinen Füßen Halt machen. Natürlich tat es das Wasser nicht.
Wie man diese Legende deutet, hängt davon ab, ob man Knut unterstellt, wirklich geglaubt zu haben, er könnte das Wasser wie sein Heer einfach herumkommandieren. Oder ob man vielmehr meint, er habe nur seinen ihm allzu ehrfürchtig gewordenen Höflingen zeigen wollen, wie es tatsächlich um seine Macht bestellt war. Was feststeht: Knut hat für die Nachwelt eindrucksvoll demonstriert, wie nutzlos es ist, sich Naturgesetzen zu widersetzen. Und deswegen haben wir immer wieder das Beispiel des alten Haudegens bemüht, um zu verdeutlichen, wie vergeblich alle Handelsstrategien sind, die darauf abzielen, den Tsunami des E-Commerce aufzuhalten.

So beleuchteten wir in unserer ersten Studie dieser Reihe – Knut geht baden – die Lage vorwiegend aus Sicht der Hersteller von Konsumwaren. Angesichts der Flaute im herkömmlichen Handel mussten sich diese überlegen, wie sie ihre Abhängigkeit von stationären Einzelhandelsketten reduzieren und eine Präsenz im Netz aufbauen, um eine gesicherte Zukunftsperspektive zu haben. Ziehen die Endverbraucher nämlich ins Internet, um Produkte zu kaufen, haben nur diejenigen Hersteller die Chance auf zukünftiges Wachstum, die auch im Web zu finden sind. Händler haben es angesichts von agilen, datengetriebenen, Niedrigmargen gewohnten Online-Konkurrenten noch schwerer. Knut musste zu neuen Ufern aufbrechen.

Mit Knut bleibt sitzen sahen wir uns diese Gleichung im Detail in einer einzelnen Branche an: dem Möbelhandel. Denn hier zeigte und zeigt sich noch immer eindrucksvoll, wie überholt die Denkweisen des stationären Einzelhandels teilweise sind, wie schnell sich die Wende zum Online-Shopping vollziehen kann, und wie gefährlich das für Hersteller, aber vor allem Händler ist.
Allerdings reicht es aus strategischer Sicht auch für große und beliebte Hersteller längst nicht aus, einfach ihre Produkte beim branchengrößten Online-Händler listen zu lassen und auf Umsatz zu warten. Knut darf – einmal zu neuen Ufern gekommen – sich nicht gedankenlos in die Hände der Einheimischen begeben. In der darauffolgenden Studie Knut und die Amazonen wiesen wir nämlich auf das Risiko hin, in die Abhängigkeit einiger weniger, sehr mächtiger Online-Plattformen zu geraten – Amazon allen voran. Denn Handelsstrukturen im Netz sind oft monopolistisch und Internetriesen wie Amazon verstehen sich nicht eben nur als Verkaufs-, sondern auch als Innovations- und Produktionsorganisationen. So begeben sich Hersteller, die einen Großteil ihres Umsatzes im Netz bei Amazon erzielen, in Gefahr: Der Konzern kauft nicht nur ein, sondern kontrolliert den Zugang zum Kunden – und kann diesen dazu einsetzen, Hersteller zu erpressen. Wenn unser Knut nicht aufpasst, landet er im Käfig.
Aber was interessiert Amazon der Großhandel?

An der Gratwanderung, von Amazons unvergleichlicher Reichweite zu profitieren, ohne dabei die Kontrolle über sein Sortiment und die Beziehung zum Endkunden völlig abzutreten, werden sich demnächst aber nicht nur Hersteller und Händler im Einzelhandel versuchen müssen. Ist doch die Liste der Branchen, in denen Online-Handelsriese Amazon binnen kürzester Zeit etablierte Anbieter verdrängt – und in Bedrängnis gebracht – hat, lang. Bekanntermaßen war das erste Opfer des radikalen Umbruchs, den Amazon mit seiner unschlagbaren Sortimventsgröße und seiner ausgeprägten Kundenfreundlichkeit herbeiführte, der Buchhandel. Bald ging es auch für etliche Musikläden nur noch ums nackte Überleben. Als nächster musste dann der Elektronikfachhandel in Deckung gehen.

Und nicht nur Einzelhändler lehrte der Konzern das Fürchten. Während er Produktkategorie für Produktkategorie einnahm, expandierte er auch in weitere Bereiche der Wertschöpfungskette hinein. Waren es Ende der 1990er-Jahre die Buchhändler und die Plattenläden, die zusehen mussten, wie ihnen Amazon große Teile ihres Geschäfts wegfraß, so waren es in den letzten Jahren die Verlage und die Labels, die an den Herausforderer immer mehr Marge abtreten mussten. Und unterdessen mauserte sich der Konzern mit der Verpflichtung von Autoren und Künstlern selber zu einem konkurrierenden Produzenten. Und nicht nur Elektronikhersteller haben gemerkt, dass sich so manche ihrer erfolgreichsten Produkte längst nicht mehr so gut verkaufen, seitdem Amazon etwas sehr ähnliches in seinem Basics-Sortiment führt…

Expansionistisch, emotionslos und in Serie erfolgreich: So haben Analysten Amazon kennengelernt. Und so ist es über die Jahre unter ihnen gar zu einer Art gruseligem Tippspiel gekommen, in dem es darum geht, das nächste Segment des Marktes, das nächste Glied in der Wertschöpfungskette, ja, den nächsten Sektor der gesamten Volkswirtschaft auszumachen, in dem die „Amazonisierung“ demnächst durchschlagen wird – und sich anschließend in seinen kühnsten Behauptungen auch noch übertroffen zu sehen. Wer am schwärzesten sieht, behält bei Amazon am häufigsten Recht.
Allein wegen dieser Vorform bedurfte es also keiner besonders schöpferischen Vorstellungskraft, um einen Angriff Amazons auf den Großhandel und auf industrielle Lieferketten samt den bestehenden Zulieferstrukturen größerer Organisationen vorherzusagen. Kurz: den Business-to-Business oder noch kürzer: den B2B-Bereich. Aber hier mussten Beobachter nicht einmal ihre Fantasie bemühen: Amazon ist schon seit 2005 in diese Richtung unterwegs. Damals fing die Fahrt mit der Akquise vom im Netz erfolgreichen Zulieferer für Kleinteile Smallparts.com an. Im Vergleich zur aktuell sagenhaften Entwicklung im B2C-Einzelhandel mag es zugegebenermaßen zuerst langsam vorangegangen sein: Sieben Jahre lang vertrieben Smallparts und andere Zukäufe von Amazon auf dem Gebiet noch in Eigenregie über ihre Webshops Ersatzteile. Erst 2012 wurde Amazon Supply ins Leben gerufen. Und obwohl der Konzern bereits 500.000 Artikel im Sortiment führte (zehnmal so viel wie übliche Großhändler1) und gezielt kleine und mittlere Firmen mit großzügigen Konditionen wie Lieferkostenfreiheit und 365-Tage-Retourenrecht ansprach, blieb die Resonanz hinter den Erwartungen zurück. Für viele Firmen lohnte sich der Wechsel zu Amazon noch nicht, weil Geschäftskunden neben Preis und Lieferung auf andere Aspekte achten: Nachlieferungsbedingungen, Integration bestehender Warenwirtschaftssysteme und strategische Sicherheit2. Der Konzern sammelte hier zwar schon Erfahrung und baute seine personellen und technologischen Kapazitäten im B2B aus, konzentrierte sich aber weiterhin auf den rasend wachsenden B2C-Bereich.

In letzter Zeit hat der Riese das Tempo jedoch stark angezogen. April 2015 wurde Amazon Supply (mit einem bestehenden Sortiment von mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Artikeln) als Amazon Business neu gegründet – mit einer entscheidenden Neuerung, die dem Konzern schon im B2C-Segment den Aufstieg ermöglicht hat: Nicht nur verkauft er als Händler auf Amazon Business, sondern Dritte dürfen auch über den Marktplatz Geschäfte abwickeln. Das holt bestehende Lieferbeziehungen auf die Plattform und erweitert das dort verfügbare Sortiment perspektivisch um noch einige Millionen Produkte und Produktvariationen. Das Muster ist aus dem angestammten Geschäftsfeld mit Konsumgütern bekannt: Dritte Verkäufer tragen entscheidend zur Auswahl und so zum Kundenerlebnis bei, was mehr Kunden und wiederum mehr Verkäufer anzieht und eine Aufwärtsspirale in Gang setzt. Bei dem Wachstum, das dann erzeugt wird, können Kosten und Preise gedrückt werden, was wiederum zu mehr Wachstum führt. Die Spirale nach oben dreht sich dann immer schneller.

So ist seit Neugründung binnen kürzester Zeit ein echter B2B-Marktplatz für die USA entstanden, der bereits im ersten Geschäftsjahr eine Milliarde Dollar Umsatz einfuhr. Es verkaufen schon heute 30.000 Händler auf der Plattform Produkte an über 400.000 Geschäftskunden, die von kleinen Handwerksbetrieben bis hin zu Fortune-500 Unternehmen reichen. Die monatlichen Zuwachsraten für Amazon Business liegen darüber hinaus zurzeit bei etwa beeindruckenden 20 Prozent4. Die Aufwärtsspirale läuft gerade auf Touren.

„Amazon means business“
Allerspätestens seit dem Erfolg von Amazon Business in den USA sollte also klar geworden sein, dass sich der Konzern keineswegs auf die Erfüllung von jedem noch so spezifischen Konsumentenwunsch beschränken wird, sondern es auch auf weite Teile der industriellen Wirtschaft abgesehen hat. Warum soll er das auch nicht, wenn bis 2020 allein in den USA der Großhandel mit Schätzungen zufolge rund 6,7 Billionen Dollar gut doppelt so viel Umsatz wie der Einzelhandel ($3,2 Bio.) verspricht? Zudem ist Amazon per se an der industriellen Fertigung interessiert: Lässt doch das einstige Handelsunternehmen längst alles von Batterien über Bildschirme bis Bettwäsche in eigenem Auftrag fertigen. Nicht zuletzt im Bereich Automotive scheint Amazon mit dem Launch vom Portal Amazon Vehicles (den wir in unserer parallel erscheinenden Studie Knut im Stau unter die Lupe nehmen) ein weiterer Schritt in der Expansion entlang der Wertschöpfungskette vorzubereiten.

Und da nicht ganz unbeträchtliche Teile der weltweiten Industriewertschöpfungskette in Deutschland heimisch sind, wunderte folgende Pressemitteilung am 6. Dezember 2016 nur noch wenige:

„Amazon hat heute den Start von Amazon Business (www.amazon.de/business) bekanntgegeben, einem neuen Service für gewerbliche Kunden auf Amazon.de. Händler können ihren Umsatz steigern, indem sie dort Geschäftskunden jeglicher Art und Größe erreichen – von kleinen Firmen bis zum großen internationalen Unternehmen, von Universitäten und Krankenhäusern bis zu Behörden und gemeinnützigen Organisationen.“

Auch nicht besonders verwunderlich aus der erfahrenen Beobachter-Perspektive: Der Konzern hat sich – angespornt durch die fulminanten Wachstumsraten von Amazon Business in den USA – nachweislich ehrgeizige Ziele gesteckt. Im September 2016 wurden nämlich Amazon-interne Dokumente im Rahmen der gescheiterten Fusion vom Bürobedarf-Branchenprimus Staples mit Großhandels-Konkurrenten Office Depot bekannt. Wie einige andere Akteure in dem Segment musste Amazon-Business-Chef Prentis Wilson zu den Absichten des Konzerns auf dem betroffenen Marktsegment vor Gericht aussagen5: B2B habe demnach „höchste Prio“, da er noch vergleichsweise offen sei – eine Situation, die sich aber nach Einschätzung des Giganten bis 2018 ändern könne. So wolle Amazon mittels seiner bekanntlich aggressiven Preispolitik unter Missachtung der Marge sowie unter Ausspielung seiner Logistik- und Kundenservice-Expertise eine zügige „Landnahme“ auf dem Segment durchführen, bevor sich das Fenster schließe. „Amazon means business“ 
lauteten bewusst doppeldeutige 
Überschriften dazu in der englischsprachigen Fachpresse – to mean business heißt schließlich „es ernst meinen“, „Ernst machen“.

Auch mit dem deutschen Großhandel und dem hiesigen Zulieferersegment ist es dem Konzern sehr ernst. Ebenfalls hierzulande kann er mit Amazon Business erklärtermaßen kein geringeres Ziel verfolgen, als den B2B-Handel komplett auf den Kopf zu stellen und bis 2018 bereits Marktführer im Geschäftskundenbereich geworden zu sein6. Warum soll er sich auch mit weniger zufrieden geben? Seriösen Schätzungen zufolge findet bereits rund 50% des deutschen E-Commerce im B2C-Bereich bei Amazon statt7. Dabei ist allgemein in der Branche bekannt, dass geschäftliche Einkäufer Verhaltens- und Erwartungsmuster aus ihren Erfahrungen als Privatkonsumenten ins Berufsleben übertragen.

König Knut erneut vor dem Tsunami
So ist davon auszugehen, dass Amazon Business in Deutschland im Laufe des Jahres 2017 eine dynamische Entwicklung an den Tag legen wird. Das Produkt stimmt, der Markenname zieht, die Vorform ist da. Zumal die Zeiten dafür überreif sind: Auch – oder sogar zuallererst – im Geschäftsleben nimmt die Beliebtheit herkömmlicher Bestellmethoden rapide ab. Kataloge, telefonische Nachfragen, und stationäre Fachhandelsflächen werden alle laut Umfragen von Geschäftskunden auf Produktsuche viel seltener genutzt als Suchmaschine, Online-Shops und Marktplätze. In Kategorien wie Reisen, Software, Bürobedarf und Elektronik sind B2B-Einkäufer sogar viel häufiger im Netz zu finden als gewöhnliche Konsumenten. Die B2B-Nachfrage ist also nachweislich da – und wird nachweislich sehenden Auges von bestehenden Akteuren vernachlässigt: 83% der Unternehmen in Deutschland tätigen nämlich Online-Einkäufe, aber nur 49% verkaufen selbst über einen Online-Kanal. Lediglich weitere 16% planen, dies in Zukunft zu tun. So schließt sich ein gutes Drittel der deutschen Wirtschaft von einer Entwicklung aus, die es aber selbst mit anstößt8.
Zwischen der Vogel-Strauß-
Mentalität der Marktteilnehmer und der Haltung vieler Einzelhandels-Unternehmen vor zehn Jahren gibt es mehr als nur flüchtige Ähnlichkeiten: Es herrscht der Irrglaube vor, Beratung, Kundenbindung, komplexe Produkte oder persönliche Vertriebsbeziehungen würden einen Schutz gegen die Konkurrenz aus dem Netz darstellen. Alle sind schon in zahlreichen Segmenten als unwesentliche Nice-to-Haves entlarvt, die Amazon nirgendwo Einhalt gebieten. Warum soll es ihnen also ausgerechnet in der gewerblichen Beschaffung gelingen, wo Einkäufer einer professionellen Pflicht unterliegen, sich nicht von Gefühlen, sondern vom Geschäftsvorteil leiten zu lassen? Hier dürfte die Entwicklung hin zum E-Commerce sogar viel schneller und viel einschneidender verlaufen, als sie es gerade in der Konsumwirtschaft tut.

Im Folgenden lesen Sie daher, welche strategischen Vorteile Amazon im B2B-Segment hat und wie der Konzern auf taktischer Ebene Fortschritte machen und Konkurrenten ausstechen wird. Danach nehmen wir uns Kategorien vor, in denen der Vormarsch von Amazon besonders schnell verlaufen ist oder demnächst verlaufen wird. Danach erläutern wir, welche Chancen und Risiken das neue Zeitalter des B2B-Geschäfts mit sich bringt – jeweils aus Kunden-, Hersteller- und Händlersicht. Aber zuallererst wollen wir einen kurzen Blick auf die bisherige Entwicklung und den derzeitigen Aufbau des B2B-Online-Handels in Deutschlandwerfen.

Relevanz des deutschen B2B-Markts

Mit einem Volumen von rund anderthalb Billionen Euro ist der deutsche B2B-Markt für das Land überproportional wichtig: Obwohl in den USA gut viermal so viele Menschen leben wie in Deutschland und das US-Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2016 schätzungsweise 4,6-mal höher lag, wird der amerikanische B2B-Markt erst in den kommenden Jahren die entsprechende Sechs-Billionen-Marke passieren.

B2B-E-Commerce im Wandel

Mit Amazon Business will der Konzern an der zweiten großen Wachstumswelle im Onlinehandel teilhaben. Schon heute ist der Online-B2B Markt deutlich größer als das Geschäft im Netz mit Privatpersonen – und steckt dabei in vielerlei Hinsicht noch in den Kinderschuhen, vor allem in Deutschland.

Die Amazon-Welle trifft auf Land

Trotz Warnungen, die hysterischer klingen als unsere teilweise unbequemen Prognosen: Vielen kommt Amazon Business noch nicht so sonderlich bedrohlich vor: „In unserer Branche ist das ganz anders!“ „Amazon? Die geben nicht mal eine Telefonnummer auf ihrer Website bekannt.“ „Motorkomponenten sind doch keine Modeartikel!“ Das sind so die Sätze, die Verkaufsleiter gerne mal zu sich selbst und ihren Teams sagen. Oder auch dies hier ist des Öfteren zu hören in letzter Zeit: „Amazon wird nie die Fachberatung bringen können, die wir heute unseren Kunden bieten.“

Interviews

Contorion ist ein digitaler Fachhhändler für den professionellen Handwerks- und Industriebedarf. Das umfangreiche Produktsortiment reicht von Werkzeugen über Arbeitskleidung bis hin zu Befestigungstechnik und weiterem Werkstattbedarf von Herstellern wie Festool, Makita, Hazet und Knipex. Dabei bietet Contorion mittelständischen und Kleinbetrieben eine „Alles aus einer Hand“-Lösung an. Gemäß dem Leitsatz „Alles für den Profi“ wird bei dem digitalen Fachhändler höchste Qualität der Werkzeuge, faire Preise und optimaler Service geboten. Contorion wurde im April 2014 von Dr. Frederick Roehder, Dr. Richard Schwenke und Tobias Tschötsch in Berlin gegründet.

Studie zur Digitalisierung der B2B Branche

Knut means Business

Schrauben, Werkzeug, Laborbedarf. Amazon knöpft sich den B2B Markt vor und will unbedingt gewinnen.